Sparplan vs. Einmalanlage
Alles auf einmal oder aufgeteilt investieren?
Selbst wenn du dasselbe Geld in dasselbe Wertpapier steckst, hängt das Ergebnis davon ab, wann du es investierst. Es gibt im Wesentlichen zwei Wege. Bei der Einmalanlage (Lump-Sum) investierst du dein gesamtes Kapital auf einen Schlag; beim Sparplan (DCA) verteilst du dasselbe Geld über mehrere Monate. Welcher der beiden ist nun richtig? Kurz gesagt: “Im Durchschnitt schnitt die Einmalanlage besser ab, aber in der Praxis ist der Sparplan für viele die vernünftigere Wahl.” Schauen wir uns an, warum.
Im Durchschnitt ist die Einmalanlage im Vorteil
Kurzfristig schwankt der Aktienmarkt stark, aber über lange Zeiträume betrachtet gab es viele Phasen, in denen es aufwärtsging. Geht man davon aus, dass der Markt langfristig steigt, gilt: Je länger dein Geld im Markt investiert ist, desto wahrscheinlicher wächst es stärker an. Bei der Einmalanlage ist der gesamte Betrag von Tag eins an dem Markt ausgesetzt, sodass die durchschnittliche Verweildauer im Markt länger ist. Beim Sparplan dagegen ist das Geld, das du zuletzt einzahlst, nur kurz investiert, sodass die durchschnittliche Marktexposition insgesamt kürzer ausfällt als bei der Einmalanlage.
Deshalb gilt: Wenn du schon ein Startkapital hast und über einen ausreichend langen Zeitraum an steigende Kurse glaubst, hat die Einmalanlage oft die höhere erwartete Rendite. Das ist aber nur ein Durchschnitt und eine historische Tendenz – kein garantiertes Ergebnis für einen bestimmten Zeitpunkt. Die größte Schwäche der Einmalanlage zeigt sich, wenn der Markt direkt nach dem Einstieg stark fällt – dieser Schlag trifft deutlich härter als beim Sparplan.
Warum der Sparplan in der Praxis trotzdem sinnvoll ist
Dass die Statistik im Schnitt für die Einmalanlage spricht, heißt nicht, dass alle sie wählen sollten. Die meisten Anleger entscheiden sich aus folgenden – durchaus vernünftigen – Gründen für den Sparplan.
- Es gibt schlicht kein Startkapital. Die meisten Menschen investieren Monat für Monat einen Teil ihres Gehalts. Wer gar kein großes Kapital hat, das er auf einen Schlag investieren könnte, landet automatisch beim Sparplan. Die Debatte Einmalanlage vs. Sparplan ist eigentlich nur relevant für Menschen, die bereits über ein größeres Startkapital verfügen.
- In fallenden oder stark schwankenden Phasen streut sie das Risiko. In Phasen starker Kursschwankungen besteht bei einer Einmalanlage die Gefahr, sich sofort am Hoch einzukaufen. Verteilst du den Kauf, kaufst du bei hohen Kursen weniger und bei niedrigen mehr, wodurch das Risiko sinkt, den Kaufpreis auf ein ungünstiges Niveau festzulegen. Bei stark schwankenden Werten ist dieser Effekt besonders spürbar.
- Sie reduziert Reue und psychologische Belastung. Stürzt der Kurs direkt nach der Einmalanlage ab, ist es – unabhängig von der Rendite – leicht, nachts nicht mehr schlafen zu können und die Anlage vorzeitig aufzugeben. Wer nicht bis zum Ende durchhält, dem nützt auch die beste Strategie nichts. Der Sparplan senkt strukturell das Risiko, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt alles auf einmal zu investieren.
Es geht nicht um “die höchste Rendite”, sondern um “möglichst wenig Reue”
Der nützlichste Rahmen für den Vergleich beider Wege ist nicht “Womit verdiene ich mehr?”, sondern “Will ich auf die höchste Rendite setzen, oder will ich Reue minimieren?” Die Einmalanlage ist eher eine Strategie zur Maximierung der erwarteten Rendite, die am meisten einbringt, wenn der Markt steigt. Der Sparplan ist eher eine Strategie zur Minimierung von Reue, bei der du – egal wie es ausgeht – sagen kannst: “So musste ich es damals machen.”
Was eine Entscheidung tatsächlich beeinflusst, sind nicht nur Zahlen. Derselbe Verlust fühlt sich als “Verlust direkt nach der Einmalanlage” viel schwerer an als als “Verlust, der sich beim schrittweisen Investieren ergeben hat”, und diese Reue führt häufig dazu, dass Menschen ganz aufhören zu investieren. Deshalb ist es oft wichtiger, ehrlich die eigene Risikobereitschaft und aushaltbare Schwankungsbreite einzuschätzen, als eine einzelne Durchschnittsrenditezahl zu vergleichen.
Kompromiss: Das Kapital über mehrere Monate strecken
Du musst dich nicht zwingend für eines von beiden entscheiden. Hast du ein größeres Startkapital, aber ein ungutes Gefühl dabei, es auf einen Schlag zu investieren, ist ein gestaffelter Einstieg über einen festgelegten Zeitraum ein praktischer Mittelweg. Verteilst du zum Beispiel dein Kapital über 3 bis 12 Monate gleichmäßig, behältst du einen Teil des Vorteils der frühen Marktexposition der Einmalanlage und profitierst gleichzeitig vom Vorteil des Sparplans, nicht alles auf einmal am Hoch zu kaufen.
Je kürzer der Streckungszeitraum, desto näher bist du an der Einmalanlage; je länger, desto näher am Sparplan. Wichtig ist, die Regel im Voraus festzulegen und dann konsequent einzuhalten. Spontane Entscheidungen wie “Fällt der Kurs, lege ich mehr nach, steigt er, höre ich auf” laufen letztlich auf den Versuch hinaus, den Markt zu timen – und das fällt allen schwer.
Fragen, mit denen du deine passende Wahl findest
- Hast du bereits ein Startkapital, das du jetzt investieren könntest? Falls nicht, bleibt dir ohnehin nur der Sparplan.
- Kannst du einen starken Rückgang direkt nach dem Einstieg aushalten, ohne zu verkaufen? Bist du dir nicht sicher, sind Sparplan oder gestaffelter Einstieg die entspanntere Wahl.
- Handelt es sich um ein stark schwankendes Produkt? Bei Hebelprodukten mit großen Ausschlägen wird die zeitliche Streuung noch wichtiger. Das strukturelle Risiko von Hebelprodukten haben wir separat in Das Risiko von Hebel-ETFs behandelt.
10-eok rechnet auf Basis eines Sparplans mit einem festen monatlichen Betrag. Warum das der entspanntere Weg ist, erfährst du in Das Prinzip des Sparplans (DCA); die konkreten Zahlen je Wertpapier findest du in der Vergleichstabelle oder direkt im Rechner. Dass eine Methode in der Vergangenheit besser abgeschnitten hat, garantiert nicht, dass es auch künftig so ist – wähle deshalb weniger nach dem reinen Ergebnis, sondern danach, welchen Weg du bis zum Ende durchhalten kannst.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.