10-eokRatgeber · QLD

Was ist QLD?

Ein Hebel-ETF, der den Nasdaq 100 täglich zweifach nachbildet

QLD ist ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) der US-Fondsgesellschaft ProShares, offiziell ProShares Ultra QQQ genannt. Er zielt darauf ab, die Tagesrendite des Nasdaq-100-Index — vollgepackt mit US-Technologiewerten — zu verdoppeln. Er wurde 2006 an die Börse gebracht und hat dadurch eine vergleichsweise lange Kurshistorie, weshalb er in Backtests zum langfristigen Ansparen oft auftaucht. Während das ähnlich klingende QQQ den Nasdaq 100 einfach (1-fach) nachbildet, setzt QLD zusätzlich einen 2-fachen Hebel (eine Struktur, die mit geliehenem Geld den Faktor verstärkt) darauf.

Was ist der Nasdaq 100?

Der Nasdaq 100 ist ein Index aus rund 100 Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung, die an der US-Börse Nasdaq notiert sind — ohne Finanzwerte. Große Technologiewerte wie Apple, Microsoft und Nvidia machen einen großen Anteil aus, weshalb er oft als “Leitindex der US-Technologiewerte” bezeichnet wird. Statt in einen einzelnen Titel zu investieren, streust du effektiv auf diese 100 Unternehmen, allerdings schwankt der Index wegen der Konzentration auf Technologiewerte stärker als der breiter gestreute S&P 500. Die Unterschiede beider Indizes haben wir in Nasdaq 100 vs. S&P 500 ausführlicher behandelt.

Was “täglich 2x” genau bedeutet

Viele missverstehen QLD als Produkt, das den Nasdaq 100 “über lange Zeit hinweg” verdoppelt. Tatsächlich gilt der Faktor 2 pro Tag. Steigt der Nasdaq 100 an einem Tag um 1 %, steigt QLD um etwa 2 %; fällt er um 1 %, fällt QLD um etwa 2 %. Die Fondsgesellschaft stellt den Faktor 2 jeden Tag zum Handelsschluss neu ein — das nennt man tägliches Rebalancing. Entscheidend ist, dass sich dieser Faktor 2 auf den “Tag” bezieht. Deshalb wird die über mehrere Tage oder Monate kumulierte Rendite nicht einfach das Doppelte der Nasdaq-100-Rendite.

Pfadabhängigkeit und verzerrter Zinseszins beim langfristigen Halten

Weil der Faktor jeden Tag neu eingestellt wird, hängt das Endergebnis von QLD nicht nur davon ab, “wie stark” der Index gestiegen ist, sondern auch davon, “in welcher Reihenfolge” sich die Kurse bewegt haben. Das nennt man Pfadabhängigkeit. Am schnellsten versteht man das an einer Beispielrechnung.

Der Index ist im Kreis gelaufen und fast wieder am Ausgangspunkt gelandet, während beim 2-fach-Produkt ein Verlust hängen geblieben ist. Dieses Phänomen, bei dem sich in einem richtungslos schwankenden Markt die Rendite Stück für Stück abnutzt, nennt man Volatilitäts-Drift (volatility decay). Je häufiger und länger die Schwankungen anhalten, desto mehr summiert sich dieser Verlust, weshalb sich das Ergebnis bei langem Halten von QLD stark von der Intuition unterscheiden kann. Mehr zur Funktionsweise findest du in Das Risiko von Hebel-ETFs.

Die Kraft in Aufwärtsphasen, Verluste in Abwärts- und Seitwärtsphasen

In einem Markt, der stetig in eine Richtung steigt, wirkt derselbe Mechanismus umgekehrt und der Zinseszinseffekt verstärkt sich: Weil täglich erneut auf den bereits um den Faktor 2 gewachsenen Kurs gesetzt wird, kann die Rendite sogar über das einfache “Doppelte des Index” hinausgehen. Das erklärt, warum QLD in Phasen, in denen US-Technologiewerte über lange Zeit stark stiegen, so stark auffiel.

Dieselbe Struktur verstärkt jedoch in fallenden Märkten die Verluste. Fällt der Index an einem Tag um 3 %, fällt QLD um etwa 6 %, und in einer großen Baisse können die Rückgänge vom Hoch aus sehr tief werden. Zudem wird die für die Erholung nötige Rendite umso größer, je tiefer der Rückgang war. Ein Vermögen, das um 50 % gefallen ist, braucht zum Beispiel +100 %, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. In einem richtungslos seitwärts laufenden Markt kann QLD wegen der oben beschriebenen Volatilitäts-Drift Stück für Stück an Wert verlieren, selbst wenn der Index am Ende unverändert ist.

Wie passt das zum Sparplan — und wo liegen die Grenzen?

Ein Sparplan, bei dem du jeden Monat denselben Betrag investierst, verträgt sich in mancher Hinsicht überraschend gut mit der Schwankung von QLD. Er kauft automatisch mehr Anteile bei niedrigen Kursen und weniger bei hohen, was den durchschnittlichen Kaufpreis glättet und einen tiefen Rückgang sogar in eine Gelegenheit zum günstigen Einstieg verwandeln kann. Auch das Risiko, alles auf einmal am Hoch zu kaufen, sinkt.

Der Sparplan beseitigt die Volatilitäts-Drift aber nicht. Das bereits angesammelte Guthaben bleibt weiterhin dem täglichen Rebalancing ausgesetzt, und bei einer langen Abwärts- oder Seitwärtsphase lässt sich ein Verlust auch mit einem Sparplan kaum vermeiden. Zudem gilt: Ein gutes Ergebnis in der Vergangenheit ist nur die Aufzeichnung eines bestimmten historischen Zeitraums und keine Garantie für die Zukunft. Statt QLD zum Kern deines gesamten Vermögens zu machen, ist es realistischer, Anteil und Zeitraum selbst festzulegen und innerhalb eines Verlustrahmens zu bleiben, den du verkraften kannst.

Ob QLD zu deinem Sparplan passt, solltest du letztlich anhand von Zahlen entscheiden. Gibst du monatliche Sparrate, Zielbetrag und Startzeitpunkt in den Rechner ein, siehst du deutlich, in welchen Phasen QLD anderen Wertpapieren voraus war und wo es eingebrochen ist.

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.