Was ist ein ETF? (Für Einsteiger)
Ein 'Korb aus vielen Wertpapieren', der wie eine Aktie gehandelt wird – ETFs von Grund auf verstehen
ETF in einem Satz
ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch etwa “börsengehandelter Fonds”. Der Name klingt kompliziert, ist aber einfach, wenn man ihn zerlegt: “Exchange Traded” heißt, dass er wie eine Aktie an der Börse notiert ist und während der Handelszeiten jederzeit gekauft und verkauft werden kann; “Fund” heißt, dass er das Geld vieler Anleger bündelt und auf mehrere Wertpapiere verteilt. Ein ETF ist also ein Produkt, das sich so einfach handeln lässt wie eine Aktie, in dem aber Dutzende bis Hunderte Einzelwerte in einem einzigen Korb stecken.
Kaufst du zum Beispiel einen Anteil eines bestimmten ETFs, stecken darin bereits Aktien vieler Unternehmen in einem festgelegten Verhältnis. Ohne die Mühe, jeden Titel einzeln auszuwählen, investierst du mit einem einzigen Kauf ein bisschen in den gesamten Markt.
Was bedeutet “einem Index folgen”?
Die meisten ETFs sind so konstruiert, dass sie einen bestimmten Index exakt nachbilden. Ein Index fasst den Zustand eines Marktes in einer einzigen Zahl zusammen. Der S&P 500 zum Beispiel bündelt 500 große US-Unternehmen, der Nasdaq 100 die 100 wichtigsten Unternehmen der Nasdaq-Börse. Ein indexnachbildender ETF hält die im Index enthaltenen Werte fast genau in der vom Index vorgegebenen Gewichtung.
Steigt der Index also um 1 %, steigt in der Regel auch der Kurs des ETFs, der ihm folgt, abzüglich der Kosten, um etwa 1 %. Entscheidend ist: Die Fondsgesellschaft wählt nicht nach eigenem Ermessen “vielversprechende Aktien” aus, sondern bildet nach festen Regeln den Index ab. Deshalb nennt man solche Produkte “passive” Investments. Da sich der Charakter stark danach richtet, welchem Index gefolgt wird, ist das Verständnis des Index selbst der Ausgangspunkt bei der ETF-Auswahl. Die Unterschiede der wichtigsten Indizes haben wir in Nasdaq 100 vs. S&P 500 ausführlich behandelt.
Der Diversifikationseffekt — nicht alle Eier in einen Korb
Der größte Vorteil eines ETFs ist die Diversifikation. Investierst du nur in eine einzelne Aktie, trägst du den vollen Verlust, wenn das Unternehmen schlecht abschneidet oder in eine Krise gerät. Bei einem ETF mit Hunderten Titeln federn die anderen Unternehmen ab, wenn eines strauchelt. Solange nicht der gesamte Markt zusammenbricht, sinkt das Risiko, dass dein Investment auf einen Schlag wertlos wird, deutlich.
Diversifikation heißt aber keineswegs “kein Verlust möglich”. In Phasen wie 2008 oder 2020, in denen der gesamte Markt gemeinsam fällt, verlieren auch diversifizierte ETFs. Diversifikation reduziert nur das Risiko einer einzelnen Aktie, nicht das Risiko des Gesamtmarktes (Systemrisiko). Sich das ehrlich klarzumachen, ist für Einsteiger das Wichtigste.
Kosten und Tracking-Differenz — Zahlen, die man leicht übersieht
Auch ein ETF ist ein Fonds und verursacht Betriebskosten. Die wichtigste Kennzahl ist die Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio). Sie gibt an, wie viel Prozent des Vermögens pro Jahr für Verwaltung und Betrieb anfallen. Liegt die TER zum Beispiel bei 0,1 % pro Jahr, kostet die Verwahrung von 10.000 € für ein Jahr etwa 10 €. Die Kosten fließen Tag für Tag unmerklich in den Kurs ein, wirken sich also nicht wie eine separate Rechnung an, summieren sich aber bei langfristigem Investieren über den Zinseszinseffekt zu einem spürbaren Unterschied. Bei ETFs auf denselben Index ist der mit den niedrigeren Kosten im Vorteil.
- Tracking-Differenz (Preisabweichung): Der Unterschied zwischen dem Börsenkurs des ETFs und seinem tatsächlichen Nettoinventarwert (NAV). Theoretisch sollten beide gleich sein, bei dünnem Handel kann kurzfristig eine Lücke entstehen. Ist die Abweichung groß, kaufst oder verkaufst du womöglich zu einem Preis, der vom fairen Wert abweicht.
- Handelsvolumen (Liquidität): Je mehr an einem Tag gehandelt wird, desto leichter kaufst und verkaufst du zum gewünschten Preis, und desto enger ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis (Spread). Bei kaum gehandelten ETFs kann der Wiederverkauf ungünstig sein – hier ist Vorsicht geboten.
- Tracking Error: Wie stark die tatsächliche Rendite des ETFs von der des nachgebildeten Index abweicht. Je kleiner, desto treuer bildet er den Index nach.
Was unterscheidet ihn von aktiv gemanagten Fonds?
Bei einem klassischen aktiv gemanagten Fonds wählt ein Fondsmanager selbst Titel aus, kauft und verkauft sie und versucht, den Markt zu schlagen. Weil dabei menschliches Urteilsvermögen und häufigeres Handeln im Spiel sind, sind die Kosten meist höher, der Preis wird üblicherweise einmal täglich festgestellt, und eine Rückgabe kann etwas dauern.
Ein indexnachbildender ETF dagegen will nach festen Regeln einfach den Markt abbilden, hat dadurch niedrigere Kosten, wird wie eine Aktie fortlaufend während der Handelszeit gehandelt, und seine Zusammensetzung wird täglich veröffentlicht. Statt “den Markt schlagen zu wollen” punktet der ETF mit der Einfachheit, “genau mit dem Markt mitzugehen”, und mit niedrigen Kosten. Es gibt allerdings auch aktiv gemanagte ETFs, bei denen ein Manager aktiv eingreift – ein Blick ins Produktinformationsblatt zeigt, um welche Art es sich handelt.
Checkliste für den ersten ETF als Einsteiger
- Was steckt drin: Schau zuerst, welchen Index, Markt oder welche Anlageklasse der ETF abbildet. Prüfe, ob es sich um heimische oder US-Werte handelt und ob breit gestreut oder auf eine Branche konzentriert wird.
- Sind die Kosten angemessen: Bei gleichem Index ist eine niedrigere TER langfristig von Vorteil.
- Wird ausreichend gehandelt: Produkte mit sehr geringem Handelsvolumen und Fondsvolumen meidet man besser.
- Handelt es sich um ein Hebel- oder derivatives Produkt: ETFs mit “2x”, “3x” oder “Inverse” im Namen tragen ein völlig anderes Risiko als klassische ETFs. Durch die tägliche Neuausrichtung des Hebels kann es bei langem Halten zu Verlusten durch Schwankung kommen – setze dich damit gründlich auseinander, bevor du einsteigst. Die Details findest du in Das Risiko von Hebel-ETFs.
- Bei ausländischen ETFs: Wechselkurs und Steuern beachten: US-ETFs unterliegen dem Euro/Dollar-Wechselkurs, und auf realisierte Kursgewinne fallen je nach Wohnsitzland und persönlicher Situation Steuern an – im Zweifel lohnt sich der Rat einer Steuerberatung. Wie eine Sparplan-Strategie mit regelmäßigen Käufen funktioniert, haben wir in Sparplan (DCA) zusammengefasst.
Hast du das Konzept des ETFs verstanden, ist der schnellste Weg zu lernen, selbst zu simulieren, wie dein Vermögen wächst, wenn du monatlich einen festen Betrag einzahlst. Die Ergebnisse auf Basis echter historischer Kurse kannst du im Rechner für jedes Wertpapier einsehen. Vergangene Renditen garantieren aber nicht die Zukunft, betrachte sie also nur als Orientierung.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.